Namenspatron

Namenspatron "Walter Eucken"

Walter Eucken wurde am 17. Januar 1891 in Jena als Sohn des Philosophen Rudolf Eucken und der Malerin Irene Eucken geboren. Nach Studium in Bonn und Kiel, Militärdienst im 1. Weltkrieg, Dozententätigkeit in Berlin und Professur in Tübingen folgte er 1927 einem Ruf nach Freiburg, wo er bis zu seinem Tod 1950 lebte.

Seine Beobachtungen und Erfahrungen mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten führten dazu, dass er die Kritik an wirtschaftlicher Macht und die Suche nach Strukturen, die sie begrenzen können, zum Zentrum seines Werkes machte. Walter Eucken war einer der Mitbegründer der ordoliberalen Freiburger Schule, die sich seit Ende der 30er Jahre Gedanken über den Aufbau einer freien Gesellschaft nach dem erhofften Zusammenbruch des NS-Regimes machte. Nach dem Attentat des 20. Juli 1944 wurde dieser oppositionelle Diskussionskreis von den Nazis endgültig verboten und Walter Eucken mehrfach durch die Gestapo verhört.

Die Stunde der Freiburger Schule schlug nach 1945, als sie der  französischen und amerikanischen Militärregierung beim Aufbau der Wirtschafts- und Verwaltungsstruktur des jungen Deutschland beratend zur Seite stand. Die Idee einer Wirtschaftsverfassung, in der der Staat zwar den Rahmen setzt, die Individuen darin aber frei entscheiden können - einer Ordnung der Freiheit - fiel im Nachkriegsdeutschland auf fruchtbaren Boden. Eine derartige Wettbewerbsordnung, schreibt er 1947 in einem Gutachten, sei notwendig für die Demokratie, "weil in ihr durch den Konsumenten, d.h. durch das Volk in alltäglicher Abstimmung der Wirtschaftsprozess - durch die Preisbildung hindurch - gelenkt wird". Dem steht nach Eucken die permanente Gefahr gegenüber, dass der demokratische Rechtsstaat sich in einen "Wirtschaftsstaat" verwandelt. Gleichzeitig trat Eucken in der akuten Not nach dem Kriegsende für den freien Welthandel ein, weil internationaler Handel in seinen Augen ökonomische Friedenssicherung bedeutete. Dazu gehörten auch erste Ideen für ein internationales Währungssystem, das Instabilität aufgrund nationaler Interessen minimieren sollte.

Politiker wie Ludwig Erhard und Karl Schiller beanspruchten Eucken für ihre Wirtschaftspolitik als den maßgebenden Verfechter der Marktwirtschaft. So lassen sich z.B. die bundesdeutsche Wettbewerbsgesetzgebung und -überwachung (Bundeskartellamt) oder das bundesdeutsche Zentralbanksystem mit der autonomen Stellung der Bundesbank wesentlich auf den Einfluss der Euckenschen Ordnungstheorie zurückführen.

In Walter Eucken muss man einen der Väter unserer sozialen Marktwirtschaft sehen, denn sowohl seine grundlegenden Überlegungen als auch zahlreiche praktische Vorschläge prägten und prägen bis heute das Bild unserer sozialen Marktwirtschaft. Die soziale Komponente unserer Marktwirtschaft machte jahrzehntelang der Wettbewerbsvorteil Deutschlands gegenüber anderen Staaten aus. Insofern lässt sich der Erfolg des bundesrepublikanischen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells eng mit dem Namen Walter Euckens verbinden. Auch in Zukunft wird es darauf ankommen, dass möglichst viele Menschen am Wohlstand partizipieren, d.h. das Soziale in unserer Marktwirtschaft betont wird, denn die Höhe der Arbeitskosten wird nie zu einem deutschen Wettbewerbsvorteil werden können.

Die grundlegenden Überlegungen und Visionen Walter Euckens haben fast fünfzig Jahre nach seinem Tod nichts an Aktualität verloren. So sind im Rahmen der europäischen Integration einige seiner Ansätze, wie die Wettbewerbskontrolle oder die Unabhängigkeit der Zentralbank auf einer europäischen Ebene verwirklicht worden. Nach den jüngsten Währungskrisen wird die Debatte um die Globalisierung der Wirtschaft in zunehmenden Maße von dem Wunsch geprägt, eine internationale Organisation zu gründen, die dem globalisierten Wettbewerb zwischen Unternehmen sowie Staaten einen Ordnungsrahmen gibt.

Diese Ausführungen verdeutlichen, dass sich Walter Eucken sowohl aufgrund seines persönlichen Einsatzes für die Bundesrepublik Deutschland als auch aufgrund seiner Ideen und Visionen in besonderer Weise eignet, einem kaufmännischen Berufskolleg seinen Namen zu geben.